Die Neustädter Fischamtsrolle von 1474

Dieser Einbaum war vielleicht einmal ein Fischereifahrzeug

Historische Ansicht des Netzplatzes im Hafen von Neustadt

Neustadt und seine Fischer

Die Fischerei hat in Neustadt eine besondere Tradition. Fischer waren wegen der nahegelegenen Fischgründe seit jeher hier ansässig. Nach ihnen ist spätestens seit 1552 die Fischerstraße benannt. Die Neustädter Fischer besaßen die alleinigen Fischereirechte für die Gewässer, die an das Stadtgebiet grenzten. Als der Landesherr Christian I. 1473 für ein Darlehen neben anderen Orten auch Neustadt an die Hansestadt Lübeck verpfänden musste, fürchteten die Neustädter Fischer um ihre Fangrechte. Deshalb ließen sie sich in der Fischeramtsrolle von 1474 ihre traditionellen Rechte vorsorglich bestätigen. Das Neustädter Fischeramt gilt damit als älteste Fischerinnung Deutschlands. Es befindet sich mit einer sehenswerten Museumsstube am Netztrockenplatz am Neustädter Hafen.

Vor 1945 fuhren die Neustädter Fischer in kleinen offenen Booten auf die Ostsee um zu fischen. Zu den ältesten Wasserfahrzeugen Neustadts zählt ein Einbaum, der im zeiπor – Museum der Stadt Neustadt in Holstein zu besichtigen ist. Er wurde am 9. Juni 1894 bei Baggerarbeiten im Hafen gefunden. Sein Alter ist bis heute unbekannt. Vielleicht handelt es sich um ein altes Fischereifahrzeug. Fischkutter wurden erst von den aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kommenden Fischern am Ende des Zweiten Weltkrieges nach Neustadt „gebracht“.

Das Fischernetz ist das wichtigste Handwerkszeug der Fischer. Nach dem Fischfang wurde es am Netzplatz am Hafen südlich der Schiffbrücke zum Trocknen aufgehängt. Mit einer Netznadel wurden gerissene Stellen geflickt. Aus dem Lübschen Mühlenteich stammen drei tönerne Gewichte, die vielleicht als Netzsenker dienten. Hausmarken zeigen an, welcher Familie sie gehörten. Aalleinen wurden nachts ausgelegt, weil Aale nachtaktiv sind. Mit Aalstechern wird blind in den schlammigen Untergrund des Gewässers gestochen. Die ältesten Aalstecher der Gegend sind ca. 6.500 Jahre alt und stammen von der spätmittelsteinzeitlichen Fundstelle „Marienbad“ vom Grund der Ostsee vor der Neustädter Hafeneinfahrt.