Blick auf eine Saatmuschelgewinnungsanlage (André de Leeuw)

Blick auf eine Saatmuschelgewinnungsanlage (André de Leeuw)

Blick auf eine Saatmuschelgewinnungsanlage (André de Leeuw)

Saatmuschelgewinnungsanlagen

Die Miesmuschelzucht im schleswig-holsteinischen Wattenmeer basierte in der Vergangenheit auf der sogenannten „Besatzmuschelfischerei“ im nicht trocken fallenden (sublitoralen) Bereich des Wattenmeeres.

Dichte Ansiedlungen von ganz jungen Miesmuscheln am Wattboden wurden befischt und dann in geringerer Dichte auf Muschelkulturbezirken (MKB) ausgesät, wo sie dann im Laufe der folgenden Monate zur Vermarktungsreife heranwachsen. Allerdings hatte sich der Bestand dieser Jungmiesmuschelbestände seit 2001 verringert und ab 2006 wurden keine fangreichen Bestände im Wattenmeer entdeckt.

Andererseits wurde beobachtet, dass z.B. an schwimmenden Seezeichen eine dichte Miesmuschelbesiedlung zu finden war, am Boden darunter jedoch keine Besiedlung.

Damit liegt der Schluss nahe, dass die jüngsten Muscheln am Boden einem Wegfraß unterliegen, während dies in der Nähe der Wasseroberfläche nicht der Fall ist. In Betracht kommen am Boden lebende Tiere, wie Strandkrabbe und Nordseegarnele, deren Bestände in den letzten Jahren stark angestiegen sind.

Die Muschelfischer haben versucht, den Mangel durch den Import von Besatzmuscheln auszugleichen. Das wird zukünftig aufgrund der Rechtslage wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Als Alternativen zur herkömmlichen Besatzmuschelfischerei oder zu Besatzmuschelimporten werden aufgrund der Erfahrungen in den Niederlanden Saatmuschelgewinnungsanlagen (SMA) in ausgewählten Meeresgebieten ausgelegt. Saatmuschelgewinnungsanlagen sind stabile Gerüste, die in der Nähe der Wasseroberfläche schwimmen und fest verankert sind. Sie werden durch lange Kunststoffrohre oder viele Kunststoffbojen mit Gewichten in ihrer Position gehalten. An diesen Tauen oder Netzen siedeln sich jahreszeitlich bedingt die Miesmuschellarven an und entwickeln sich zu jungen Miesmuscheln. Mit speziellen Maschinen werden sie schonend abgeerntet und zum Besatz der Muschelkulturbezirke verwendet. Diese Saatmuschelgewinnungsanlagen benötigen einen seegangsgeschützten Standort, der auch genügend Wassertiefe aufweist, damit die Netze bei Niedrigwasser im Wattenmeer nicht den Boden berühren. Ebenfalls müssen diese Anlagen der Strömungsrichtung angepasst werden und genügend Abstand untereinander aufweisen, damit die Fahrzeuge zwischen den einzelnen Netzen hindurch fahren können, um sie abzuernten.

Das Verfahren zur Errichtung einer SMA besteht also zunächst in der Auswahl eines Standortes, der hinreichende Wassertiefen, hinreichenden Schutz vor Seegang und hinreichende Ansiedlungsraten bietet. Danach wird geprüft, ob die erforderliche strom- und schifffahrtspolizeiliche Erlaubnis erteilt werden kann. Erst dann kann eine fischereirechtliche Erlaubnis bei der obersten Fischereibehörde beantragt werden. Diese prüft, ob die Belange der übrigen Fischerei, der Gemeingebrauch an den Küstengewässern, Belange des Insel- und Küstenschutzes  oder des Naturschutzes erheblich beeinträchtigt werden.

Die Erprobung der Saatmuschelgewinnungsanlagen muss wissenschaftlich begleitet werde. Nach zwei Jahren erstellt die Erzeugerorganisation einen ersten Erfahrungsbericht über den Erfolg der Anlagen, der den beiden Kuratorien des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zur Verfügung gestellt wird.