Archäologische Funde von Werkzeugen und Jagdgeräten erzählen uns viel über das Leben des frühgeschichtlichen Menschen. Forscher rekonstruieren Lebensräume und zeichnen anhand der Fundstücke alltägliche Situationen nach, die ein Fenster in unsere Vergangenheit öffnen können. Anfang 2004 beauftragte das Ostholstein-Museum in Neustadt die Geomedien mit der Erstellung eines Dokumentarfilms über Leben und Arbeiten mit einem steinzeitlichen Fischfanggerät, dem Aalstecher.

"Es war nicht so, dass hier die Palmen wogten, aber es war deutlich wärmer als heute."  Experimentalarchäologe Harm Paulsen hat sich in seine Steinzeitkluft geworfen und erklärt das Leben in der Erteböllekultur. Der Erteböllemensch lebte vor etwa 6000 bis 7500 Jahren entlang der Küsten zwischen Elbmündung, Norddänemark, Südschweden und dem Baltikum und war dementsprechend stark vom Wasser geprägt.

"Das waren wenige Leute, die überreich an Nahrungsmitteln herankamen. Sie hatten die Meere, die waren überhaupt nicht zu erschöpfen. Es gab eine gute Mischkost für alle, das sieht man den Leuten in den Gräbern an, sie waren wirklich kräftig, eigentlich hatten die alles, was sie brauchten. Als die Leute immer mehr wurden, gab es ein Problem, da konnte man die Nahrungsmittel irgendwann so nicht mehr beschaffen, da gab es nur eine Konzeption, aber das war ein Biss in den sauren Apfel: man musste die Jungsteinzeit beginnen, das heißt, man musste Bauer werden und das ist die Vertreibung aus dem Paradies."

Wir befinden uns im Museumsdorf Hjerl Hede am Limfjord und machen mit Harm eine Reise in die Vergangenheit. Er zeigt uns Herstellung und Einsatz einer steinzeitlichen Fischjagtwaffe, die in der Archäologie Entwicklungsstand und Perfektion dieser Kultur versinnbildlicht, der Aalstecher. Aale vergraben sich im Herbst und im Winter im schlammigen Untergrund. Man sticht mit dem Aalstecher Nachts oder auch Morgens Früh praktisch blind in diesen hinein und erwischt den Aal mit den beiden Schalmen, die einen Trichter bilden, in den sich der Aal einquetscht. Die mittig angebrachte Knochenspitze spießt ihn auf und hindert ihn am Entkommen. Diese Methode wurde mit der fast unveränderten Jagtwaffe im Norden bis in die 50er Jahre hinein angewandt. Heute ist das verboten.

Bis 1981 war man in der Archäologie der Meinung, es handelte sich um Schabemesser, da man bis dorthin nur die beiden Schalmen fand. Nachdem man in Lettland und Dänemark ganze Exemplare ausgraben konnte, gingen Spezialisten wie Harm daran herauszufinden, wie die Waffe funktioniert. Auch im Marienbad vor dem Hafen von Neustadt/Ostholstein findet man seit Frühjahr 2000 immer wieder Teile von Aalstechern. Wir besuchten Sönke Hartz und sein Team von Kieler Forschungstauchern an ihrem Fundplatz und filmten sie bei Bergungsarbeiten eines Aalstechers.

Aber warum unter Wasser? Sönke: "Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Teile von Jütland senkten sich nach der Eiszeit ab. Durch die abschmelzenden Gletscher erfolgte ein weltweiter Meeresspiegelanstieg, die damaligen Küstenplätze liegen deswegen heute Unterwasser. "Archäologische Funde von Werkzeugen und Jagdgeräten erzählen uns viel über das Leben des frühgeschichtlichen Menschen. Forscher rekonstruieren Lebensräume und zeichnen anhand der Fundstücke alltägliche Situationen nach, die ein Fenster in unsere Vergangenheit öffnen können.