Die Schifferkirche und ihr holzverkleideter Glockenturm sind eine Art Wahrzeichen der Stadt Arnis

Die kleinste Stadt Deutschlands: ein geschichtsträchtiger Fischerort an der Schlei

Am Hafen liegen die Fischkutter in unmittelbarer Nähe zur seilbetriebenen Schleifähre

Die kleinste Stadt Deutschlands ist groß an Geschichten. Ursprünglich ist der Ort durch Abtrünnige der nahegelegenen Stadt Kappeln entstanden. Die kleine Siedlung wuchs schließlich zu einer betriebsamen Fischerei-, Seefahrer- und Handwerkerstadt, eine der reichsten Städte Ostangelns. Im 19. Jahrhundert reisten von hier aus Handelsschiffe bis nach Kopenhagen, Oslo und sogar Westindien. Auch heute ist Arnis von Schiffen und Schiffshandwerk geprägt: Die kleine Stadt hat mehrere Seglerhäfen, vier Werften und eine kleine Schifferkirche von 1673.

Die große Bedeutung der Fischerei ist im Stadtbild ablesbar. Malerisch liegen die Fischerhäuschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert aufgereiht an der Langen Straße. Hier befindet sich auch das Rathaus. Die mit Linden gesäumte Straße bildet das Rückgrat des kleinen Ortes. Zum Hafen und der seilbetriebenen Schleifähre ist es nicht weit. Von hier aus kann man entlang der Küstenlinie einem Rundweg um die Stadt folgen. Dabei kommt man an einigen Restaurants z. B. der schwimmenden Schleiperle vorbei.

Weitere Anekdoten und plattdeutsche Schnacks rund um Arnis und den Schleifisch sind im Kochbuch „Fische der Schlei“ festgehalten. Die Frau eines Arniser Schlei- und Kutterfischers hat zusammen mit Fischereifamilien der Schlei darin traditionelle Rezepte und historisches Fotomaterial gesammelt.

Historie
Arnis lag ursprünglich auf einer bewaldeten Halbinsel, bis – so sagt man - der dänische König Erich von Pommern die Landverbindung 1415 durchstoßen ließ. Die Insel gehörte später zum Schleswiger Domkapitel.

Zur Zeit des Herzogs Christian Albrecht herrschte unweit seiner Stadt Arnis im benachbarten Kappeln der Lehnsherr Detlev von Rumohr auf Roest. Er verlangte von seinen Untertanen den Treueeid. Für 64 Familien, die sich weigerten, bedeutete es, die Stadt verlassen zu müssen. Daraufhin baten sie den Herzog darum, die Insel Arnis besiedeln zu dürfen. So wurde Arnis 1667 durch einen herzöglichen Freibrief als Zufluchtsort für aufsässige Kappelner Bürger gegründet.

Durch steuerliche Privilegien wuchs die Stadt im 18. Jahrhundert an und Handwerk, Werften und Handel blühten. 1796 wurde die Insel mit dem Alten Damm wieder an das Festland angeschlossen. Im 19. Jahrhundert war Arnis mit damals 1.000 Einwohnern Heimathafen einer Flotte über 80 Segelschiffen. Nach 1864 mit dem Aufkommen der Dampfschiffe ging die traditionelle Seeschifffahrt zurück. Heute ist die Stadt überwiegend als touristisches Ziel, als Perle der Schlei, bekannt.