Der einzige noch erhaltene Heringszaun Deutschlands befindet sich in der Schleistadt Kappeln

Das trichterförmige Flechtwerk leitet die Heringe schleiaufwärts in ein Netz

Heringe im Labyrinth
Der denkmalgeschützte Heringszaun ist gut von der Nordseite der Schleibrücke aus zu bestaunen. Er ist seit 1451 urkundlich erwähnt und der letzte von ehemals ca. 38 Zäunen dieser Art in der Schlei. Die Schlei bietet durch besondere Gewässerverhältnisse sehr gute Voraussetzungen für das Laichen (im April/Mai). Die Heringe folgen dem ausgesüßten Wasser schleiaufwärts. Die Trichter des Heringszauns sind seewärts gerichtet, Nebenarme verhindern ein Zurückschwimmen. In Pfahlreihen eingeflochtenes Stangenholz bildet zaunartige Wände. Am engen Auslass der Hauptarme wird ein Netz angebracht, welches vom Boot aus hochgezogen wird.

Fangmethoden im Wandel
Mit dem Betrieb eines Heringszaunes ließen sich ehemals gute Erträge erwirtschaften. Allerdings waren auch Bau, Unterhaltung und Pflege sehr aufwändig, so dass die Heringszäune eher dem Adel, der Kirche und dem Landesherrn gehörten als den Fischern. Die große Anzahl an Heringszäunen in der Schlei wurde zu einem Hindernis für die sonstige Fischerei und auch für die Schifffahrt. Gelegentlich kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen bei Streitereien. Seit dem 18. Jahrhundert nahm die Anzahl der Heringszäune in der Schlei langsam ab. Grund waren neue Fangmethoden (Großreusen, Bundgarne, Netzfischerei), und die Verlagerung der Fanggründe in die Ostsee mit größeren, seetüchtigen Booten. Mit der Heringspumpe im Kappelner Fischereihafen setzt die Stadt Kappeln auch heute  auf einen effektiven und effizienten Heringsfang.

Rekonstruktion des Heringszauns wird Geburtshelfer eines Stadtfestes
In den 1970er Jahren war der Heringszaun dem Verfall nahe. Durch Initiative des Verschönerungsvereins wurde der letzte Heringszaun Europas unter Denkmalschutz gestellt und unter Begleitung des Volkskundemuseums rekonstruiert. Die Rechte des Zauns wurden 1977 vom Herzog zu Schleswig-Holstein auf die Stadt Kappeln übertragen. 1979 starteten an Himmelfahrt die ersten Kappelner Heringstage, die seitdem jährlich von Himmelfahrt bis Sonntag gefeiert werden. Zum Auftakt raten eingeladene  Prominente, wie viel Pfund Hering sich in dem Netzsack des Heringszaunes befinden. Heringskönig und –königin wird, wer der tatsächlichen Menge am nächsten kommt. Musikalische und künstlerische Attraktionen, gastronomische Köstlichkeiten und ein Feuerwerk gehören zum Programm. Aktuelles unter www.heringstage-kappeln.de